Die böse Amy Winehouse!

19. Januar 2008 | Von | Kategorie: Fertig gemacht

Amy Winehouse

Die Eigenschaft alles in Böse oder Gut einzuteilen ist wohl eines unerschütterlichen der Grundfeste der BILD Zeitung. Eine Abstufung scheint es für die BILD nicht zu geben. Mehr geht auch nicht, denn dazu müsste man auch in die Tiefe gehen. Das ist in ca. 5-10 Sätzen innerhalb eines Artikels bei der BILD natürlich nicht möglich. Ein Paradebeispiel dafür ist die mit Preisen überhäufte Skandalsängerin Soulsängerin Amy Winehouse.

Dass Amy Winehouse kein Vorbild ist, ist klar

Spätestens bei dem Auftritt auf einem Livekonzert, bei dem Amy Winehouse Ihre Fans aufs übelste beschimpft hat ist klar, dass mit dieser Frau irgendwas nicht stimmt. Amy Winehouse hatte damals Ihre Fans beschimpft, weil diese sie ausbuhten, nachdem Sie anscheinend unter Einfluss von Drogen ein miserables Konzert abgeliefet hat. Davon mag man halten was man will, allerdings darf man nicht vergessen, dass Amy Winehouse anscheinend ein größeres Problem mit Drogen hat.

Deutsche Gerichte verhängen bei Straftaten im Zusammenhang mit Drogen meist niedrigere Strafen, verbunden mit Maßnahmen zum Entzug bzw. Rehabilitation. In Annahme, dass der Verurteilte zum Zeitpunkt der Tat nicht Herr seiner Sinne war, wird von Unzurechnungsfähigkeit gesprochen. Das ganz hat auch einen guten Grund: Der Straftäter ist vom Prinzip her schon rehabilitiert, sofern er es schafft von den Drogen (meist Alkohol) Abstand zu nehmen. Ist er Clean, geht die Gefahr von einem solchen Straftäter schlicht und einfach in vielen Fällen nicht mehr aus (Wir alle kennen das von diversen Freunden unter Alkoholeinfluss). Die Rehabilitation kann also dann alternativ und wesentlich billiger durchgeführt werden. Eine Strafe erhalten solche Straftäter trotz alledem. Sie fällt wie gesagt nur nicht so hoch aus.

Genau dazu haben sich unsere Gesetzgeber also schon ausführlich Gedanken gemacht. Die BILD allerdings kann dies aufgrund der Art wie Nachrichten dargestellt werden einfach nicht. Sie kann sich solche Gedanken nicht leisten, weil sie zu langen Artikeln führen würden, in denen bestimmte Sachverhalte erklärt werden müssten. Es passt einfach nicht zum Konzept der BILD.

BILD über Amy Winehouse

Also scheint sich die sich die BILD darauf zu beschränken die Artikel so knapp und so unterhaltend wie möglich zu schreiben. Leidtragende dabei sind im Regelfall Prominente. Es werden Vermutungen angestellt, die oft jeglicher Überlegung und Recherche entgehen, warum der Prominente sich verhält, wie er sich verhält. Amy Winehouse ist so ein Opfer dieser Art von Presse. Schauen wir uns doch einfach mal eine Schlagzeilen an, die über Amy Winehouse in der BILD geschrieben wurde:

Üble Pöbelattacke vor Londoner Shop” BILD 18.01.2008

Amy Winehouse rastete aus und wurde dabei Fotografiert. Die BILD Zeitung schreibt dazu:

“Vor einem Laden in der Londoner Innenstadt rastete die jetzt erblondete Sängerin komplett aus, brüllte arglose Passanten an, musste schließlich von der Polizei zu ihrem eigenen Auto eskortiert werden.”.

Was Amy Winehouse nun gesagt haben soll, bleibt völlig offen. Urplötzlich und einfach so aus heiterem Himmel ist sie mit Sicherheit nicht ausgerastet.

Was ist bloß los mit Amy? Zerrt die Sorge um Gatte Blake Fielder-Civil an ihren Nerven? Der sitzt seit Monaten im Knast, grübelt hinter Gittern, ob die Ehe zwischen ihm und der labilen Winehouse noch eine Chance hat.

Hier werden einfach Vermutungen in den Raum gestellt, die so aufgrund der vorhergehenden Berichte der BILD eigentlich nicht gar nicht gemacht werden dürften, denn vor ein paar Tagen schrieb die BILD noch ganz anders:

Amy Winehouse (24) flirtet fremd. Jetzt kam heraus: Die Souldiva soll eine Nacht mit ihrem Produzenten Mark Ronson (32) verbracht haben.

Freunde berichten, dass Amy durch Blake immer wieder mit Drogen in Kontakt kam. Will sie jetzt die Wende und sagt sich von ihm los?

So dreht sich die Fahne wohl im Wind der Auflagensteigerung. Was heute noch gut ist, ist am nächsten Tag schon vergessen und alte Vermutungen zählen nicht mehr. Hauptsache die Geschichte ist gut zu lesen und Unterhaltsam. Wie gesagt: Es handelt sich bei dieser Art von Artikeln zum größten Teil nur um Vermutungen. Selbst gefragt wurde Amy Winehouse nicht. So macht die BILD Propaganda gegen Prominente und nimmt billigend in Kauf, das diese zum Teil sogar Ihre Existenz verlieren.

Zu einer gerichtlichen Anhörung von Blake am Freitag erschien Amy mit einer Stunde Verspätung. Wie die Online-Ausgabe des US-Magazins „People“ berichtet, hauchte die Sängerin ihrem Ehemann ein „I love you“ durch die Glasscheibe im Gerichtssaal zu.

Ob Blake den Liebesschwur erwidert hat, ist nicht bekannt.

Natürlich weis man das nicht! Wenn man es wüsste, wäre das Verhältnis der beiden nämlich einigermaßen klar und alle Folgeartikel wären damit uninteressant. Schließlich kann man sich ja nicht das eigene Thema kaputt schreiben wenn man kaum Themen hat und schon so viel Fantasie in Vermutungen gesteckt hat. Es wäre wohl nicht allzu schwer gewesen die Antwort heraus zu bekommen. Aber Recherchearbeiten sind nunmal nicht das Steckenpferd der BILD Zeitung.

Amy Winehouse entstellt in der BILDHinzu kommt, dass die Fotos Amy Winehouse derartig entstellen, dass sie nur noch unsympathisch wirken kann (Bild Links – Quelle bild.de). Das ist Emotionsmacherei. Das ein Freizeit-Paparazzi, ähnlich einem Bild Leserreporter, Amy Winehous vielleicht schlicht und einfach auf gewaltig auf die Nerven gegangen sein konnte, bleibt selbstverständlich auch unerwähnt.

Deutsche Prominente in den Zangen der BILD

Im Fall Amy Winehouse allerings, ist die BILD bei weitem nicht so bedeutend wie bei deutschen Prominenten. Hier beherrscht die BILD den Markt und kann Prominente machen, aber dafür auch vernichten schlecht reden. Dies wird sehr deutlich, wenn man sich die Kampagne ansieht, die die BILD Zeitung im Fall Andreas Türck gefahren hat. Andreas Türck wurde vom Vorwurf der Vergewaltuigung freigesprochen, war also “nicht schuldig”. Wie der BILDBlog berichtete, “stand die Anklage der Staatsanwalt auf so wackligen Beinen, dass der Prozess nach Meinung vieler Beobachter nie hätte eröffnet werden dürfen.” (BILDBlog).

Andreas Türck war seinen Ruf trotzdem los und leidet wohl heute noch darunter, dass die Menschen beim Namen Andreas Türck sofort an Sexualverbrechen denken. Denn selbstverständlich rehabilitiert BILD die dann, zu Opfern gewordenen Promis, nicht mehr mit der Kraft in der Öffentlichkeit, wie sie es machen konnte, als sie die dicken Schlagzeilen über Andreas Türck schrieb. Das Ergebnis einer solchen Anklage wird in der BILD dann zudem mehr so plakativ dargestellt, wie die vorherigen Aufreisser auf Seite 1 in denen die wildesten Vermutungen angestellt wurden und schon bekommts einfach keiner mehr mit. Außerdem bleiben die reisserischen Schlagzeilen von zuvor einfach in den Gedanken der Leser hängen.

So werden Prominente von der BILD abgeschossen in den Ruin getrieben. Auflagensteigerung scheint der BILD also am wichtigsten. Man sollte also sehr gut überlegen, was man im Klatsch und Tratsch Teil überhaupt glauben kann. Denn der Großteil dieser Geschichten besteht schlicht und einfach aus Vermutungen, die Unschuldige Menschen in den Ruin treiben können, was nicht nur Andreas Türck passiert ist.




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